Am 22. Juni machten sich zwölf Studierende und der Autor auf nach Magdeburg. Es war eine Exkursion im Rahmen des Seminars Digitale Archive (4. Semester Archiv), dass von Prof. Dr. Christian Keitel durchgeführt wird. Um 7:39 Uhr fuhr der Regionalzug von Potsdam nach Magdeburg. Um 9:30 stand der erste Termin im Landesarchiv Sachsen-Anhalt auf dem Programm. Herr Dr. Heiden und seine Kolleginnen und Kollegen führten in die Überlegungen und Vorarbeiten für die Digitale Archivierung ein, die auf Grundlage des OAIS-Modells (Open Archival Information System) vorbereitet wird. Unter anderem arbeitet seit kurzem ein Masterabsolvent des Fachbereichs Informationswissenschaften im Landesarchiv, der zur Projektplanung referierte. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es weiter in das Stadtarchiv Magdeburg, in dem Herr Dr. Volkmar und Herr Bloßfeldt um 13:30 Uhr interessante Ausführungen zum Stadtarchiv und zum Thema Digitale Archivierung vortrugen. Wichtige Themen waren dabei das Umfeld für ein Kommunalarchiv, Voraussetzungen und Möglichkeiten, sowie die personellen Gegebenheiten. Zum Ende des Vortrags zog das Sturmtief „Paul“ über Magdeburg. Gegen ca. 14:30 Uhr verdunkelte sich der Himmel, ein Baum vor dem Fenster des Vortragsraums konnte dem Sturm nicht mehr standhalten, wurde entwurzelt und stürzte um.

Nachdem alle Fragen beantwortet waren, machte sich die Gruppe zum Bahnhof Magdeburg Neustadt auf, in der Hoffnung den Zug zu erreichen, der um 15:08 vom Hauptbahnhof fahren sollte. Der Weg führt an zahlreichen weiteren entwurzelten Bäumen und herabgestürzten Ästen vorbei. Die Ansagen auf dem Bahnsteig sagten für alle kommenden Züge Verspätungen voraus. Es war absehbar, dass sobald kein Zug kommen würde und wir suchten den Weg in die Innenstadt. Zwischenzeitlich hatten die Straßenbahnen den Betrieb eingestellt und der Autoverkehr staute sich auf den Straßen. Nachdem wir den Bahnhof glücklich erreicht hatten,  war offensichtlich das im bestehenden Chaos keine Rückfahrt möglich sein würde. Der Bahnhof füllte sich mit Fahrgästen und die Anzeigetafel führte immer weitere Verspätungen und Ausfälle auf. Daher suchten wir vorerst ein Restaurant auf, in dem wir die kommenden zwei Stunden verbrachten, in der Hoffnung dass sich am Bahnhof eine Klärung ergeben würde. Das war nicht der Fall. Eine große Anzahl Servicemitarbeiter versuchte zu helfen. Fahrgäste sollten nach Stendal ausweichen, in der Hoffnung von dort Richtung Berlin fahren zu können. Das erschien vorerst nicht ratsam, da nicht klar war, ob es von dort wirklich weitergehen würde. Also machten wir das Beste aus der Situation und besichtigten den Mageburger Dom und den Magdeburger Teil der Straße der Romanik.

Gegen ca. 20:00 wurde uns am Bahnhof geraten in einen Zug nach Leipzig zu steigen. Da sich keine Alternative bot, hofften wir auf dem Bahnhof Dessau in einen Zug nach Berlin umsteigen zu können. Allerdings kamen wir nicht weit. In Königsborn blieben wir eine Stunde auf der Strecke stehen, da diese noch nicht weiter beräumt war. Es ging zurück nach Magdeburg.

Dort kündigte die Anzeigetafel für 22:08 Uhr einen Zug nach Berlin an. Leider zeigte die Tafel dann immer weitere Verspätungen an. Alle Bahnmitarbeiter versicherten, dass der Zug kommen würde und schickten weitere Fahrgäste, die mit anderen Zügen den Bahnhof erreicht hatten, zu diesem Bahnsteig. Mittlerweile waren fast alle Hotels ausgebucht und die Taxifahrer weigerten sich – trotz DB-Gutscheinen – nach Berlin zu fahren. Auch um 23:20 Uhr war der angekündigte Zug nicht eingetroffen, stattdessen sollte auf dem Nachbargleis ein anderer Zug um 23:23 Uhr fahren. Diesen Zeitpunkt wollten wir noch abwarten, bevor wir uns zu einem Hotel aufmachen würden. In diesem Moment wurde allen Wartenden zugerufen, das vor dem Bahnhof ein Bus nach Berlin stehen würde, der jeden Moment abfährt. Es erwartete uns ein fröhlicher Busfahrer, der als Zielort Brandenburg an der Havel angab. Dort würden die Regionalzüge nach Berlin weiterfahren. Kurz vor 1:00 Uhr kamen wir dort an.

Allerdings wartete kein Regionalzug auf uns. Stattdessen stand der verdunkelte Regionalzug auf dem Gleis, der fahrplanmäßig um 4:25 Uhr in Richtung Frankfurt/Oder losfahren sollte. Es kam zu Verhandlungen mit dem sehr hilfsbereiten Lokführer, was zahlreiche Telefonate mit den verschiedenen Transportleitungen nach sich zog. Schlussendlich rollte der Zug um 2:20 Uhr an und fuhr in Richtung Endhaltestelle Berlin Zoologischer Garten, mit Zwischenhalt am Hauptbahnhof Potsdam.

Magdeburg_104